
(Lizenz: CC BY-NC 2.0)
Die markanten Sprüche der eigenen Lehrer prägen sich dem Gedächtnis der Schüler besonders ein. Im Rückblick auf die Studienzeit an der Theologischen Fakultät Paderborn erinnere ich mich daher an einen Klassiker aus dem Munde des damaligen Professors Reinhard Marx in den Vorlesungen zur Christlichen Gesellschaftslehre: „Wer den Zeitgeist heiratet, ist morgen Witwer!“ Ein verbaler Volltreffer. Bleibt im Ohr – bleibt im Kopf. Gegenwärtig holen den früheren Dozenten aber einmal mehr seine eigenen Worte wieder ein und halten dem Soziologen den Spiegel vor.
So wurde jüngst bekannt, dass Kardinal Marx die Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ in seiner Diözese für Paare, die keine sakramentale Ehe eingehen können, einführen will. Die Broschüre des sogenannten Synodalen Weges solle damit „‚Grundlage des seelsorglichen Handelns‘ werden und auch für geschieden wiederverheiratete, gleichgeschlechtliche und queere Paare gelten“. Die Direktive des Oberhirten erhielt zusätzliches Gewicht durch die Maßgabe, kein Paar sei abzuweisen.[1] Publik werden sollte das interne Schreiben jedoch offenbar nicht, da eine Verlautbarung im Amtsblatt ausblieb.[2]
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum sich Papst Benedikt XVI. 2021 bei seinem Nachfolger als Erzbischof von München und Freising meldete, „um seine ‚große Besorgnis‘ über den synodalen Prozess in Deutschland zum Ausdruck zu bringen“. Der Pontifex war überzeugt, „dieser Weg werde ‚Schaden anrichten und schlecht enden, wenn er nicht gestoppt wird‘“[3]. Papst Benedikt selbst hatte in seinem Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis angesichts der Situation der geschieden Wiederverheirateten betont, dass es „in jedem Fall zu vermeiden ist, diese Verbindungen zu segnen, damit unter den Gläubigen keine Verwirrungen in Bezug auf den Wert der Ehe aufkommen“[4]. Hier braucht es wirkliche Seelsorge, die sich an der Wahrheit orientiert.
Jeder Mensch ist vom Höchsten gewollt und als Person ins Dasein gerufen. Daher kann man auch sein Geschlecht nicht selbst bestimmen oder ändern. Die von Gott gesegnete Schöpfungsordnung besagt: „Als Mann und Frau erschaffen, hat er sie in der Ehe zu einer innigen Gemeinschaft des Lebens und der gegenseitigen Liebe berufen.“[5] Denn „die eheliche Vereinigung von Mann und Frau, die durch den Schöpfer grundgelegt und mit eigenen Gesetzen ausgestattet wurde, ist von Natur aus auf die Gemeinschaft und das Wohl der Ehegatten sowie auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet“[6].
Auf den dreifaltigen Gott hin geschaffen, der die ewige Liebe ist, ist der Mensch zur Reinheit berufen (vgl. Mt 5,8). Im Dekalog wird dieser Weg eindeutig gewiesen und geschützt. Daraus ergibt sich folglich, dass sexuelle Verbindungen außerhalb der vor Gott gültigen Ehe einen massiven Akt gegen das sechste Gebot darstellen und die Betroffenen zutiefst verunreinigen. Die im Neuen Testament ausgedrückte Warnung vor der Unzucht (vgl. 1 Kor 6,18–20) kann nicht wegdiskutiert werden, wenn man die Menschen nicht synodal täuschen und betrügen will.
Der Schöpfer hat seine Gebote gegeben, um uns zu retten und zum ewigen Leben zu führen. Gestützt auf die eindeutige biblische Botschaft hat das beständige Lehramt der Katholischen Kirche demzufolge stets erklärt, dass homosexuelle Praktiken zu den gravierenden Sünden gehören, die immens gegen die Keuschheit verstoßen (vgl. KKK 2396) und von der Heiligen Schrift vehement zurückgewiesen werden (vgl. Gen 19,1–29; Lev 18,22; Röm 1,24–27; 1 Kor 6,9–10; 1 Tim 1,10). Der Katechismus erinnert uns an die „himmelschreiende“ Dimension der Schuld der Sodomiten (vgl. KKK 1867).
Da viele Funktionäre des sogenannten Synodalen Weges oft vorgeben, mehr auf die Stimme der Frauen hören zu wollen, bietet der heutige Festtag dazu eine besondere Gelegenheit. Wir schauen nämlich auf die heilige Kirchenlehrerin Katharina von Siena, die zur Schutzpatronin Europas erhoben ist. Sie bezeugt in ihrem berühmten Werk Gespräch von Gottes Vorsehung, wie sehr der Herr die homosexuellen Handlungen verurteilt: „Die Elenden vollbringen noch Schlimmeres und begehen die verfluchte Sünde wider die Natur. Und wie blinde Toren, deren Vernunft getrübt ist, nehmen sie die Fäulnis und das Elend nicht wahr, worin sie stecken. Nicht nur Mir, der Ich höchste ewige Reinheit bin, ist sie zum Ekel (ja so verabscheuungswürdig, dass Ich um dieser einen Sünde willen fünf Städte durch Mein göttliches Gericht vernichtete, da Meine Gerechtigkeit sie nicht mehr ertragen wollte), sondern sogar den Dämonen.“[7]
Wirkliche Barmherzigkeit in der Nachfolge des Guten Hirten geht daher in wahrer Liebe dem verlorenen Schaf nach (vgl. Lk 15,4–7), bevor es zu spät ist. Sie bestätigt den Menschen nicht heuchlerisch in seiner schuldigen Situation, sondern versucht, ihn um des ewigen Heiles willen zur Umkehr zu leiten – aus dem Tod der Sünde zum Leben der Gnade. Lehre und Pastoral können nicht im Widerspruch zueinander stehen. Echte Seelsorge schaut auf den Willen des Herrn und müht sich um die Rettung des Menschen. Dabei kann Sünde nicht gesegnet werden. Das wäre ein schreiender Missbrauch des heiligsten Namens Gottes. Eine eklatante Blasphemie jenseits von Eden. Doch der Schöpfer lässt Seiner nicht spotten (vgl. Gal 6,7).
Die Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ verrät sowohl den Herrn als auch den Menschen. Was soll etwa eine tief verwundete Ehefrau, die nach Ihrem Jawort vor dem Traualtar von ihrem Mann betrogen und verlassen wurde, von einer Synodalkirche halten, die nun dessen Verbindung mit einer neuen Flamme segnet? Die allein gelassene Frau wird nochmals erniedrigt – nun sogar weitaus schlimmer. Der Ehebruch wird faktisch gutgeheißen, denn nichts anderes bedeutet ja eine Benediktion, abgeleitet von benedicere. Jeder vernunftbegabte Mensch kann sofort diese dekadente Heuchelei erkennen und wird sich vom skandalösen Tanz um das Goldene Kalb abwenden.
In dieser Zeit des vorhergesagten Abfalls vom Glauben (vgl. 2 Thess 2,3) stärkt uns das Zeugnis des heiligen Apostels Paulus, der aus Liebe zum Herrn und zur Rettung der Seelen für die Wahrheit des Evangeliums den Kopf hingehalten hat und der Kirche ein mächtiger Fürsprecher ist:
„Ahmt auch ihr mich nach, Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt. Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann“ (Phil 3,17–21).
29. April 2026
Fest der hl. Katharina von Siena
Kirchenlehrerin und Schutzpatronin Europas
Pastor Frank Unterhalt
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[1] Die Tagespost, „Kardinal Marx will umstrittene Segensfeiern in München einführen“, 20. April 2026, in: die-tagespost.de/kirche/aktuell/kardinal-marx-will-umstrittene-segensfeiern-in-muenchen-einfuehren-art-274288 ; abgerufen am 29. April 2026.
[2] Vgl. Benjamin Leven, „Marx-Brief zu Segensfeiern war „internes Schreiben“. Keine Veröffentlichung im Amtsblatt geplant“, 21. April 2026, in: herder.de/communio/theologie/keine-veroeffentlichung-im-amtsblatt-geplant-marx-brief-zu-segensfeiern-war-internes-schreiben/ ; abgerufen am 29. April 2026.
[3] CNA Deutsch, „Emeritierter Papst Benedikt XVI. warnte Kardinal Marx vor Synodalem Weg: Bericht“, 19. Januar 2026, in: de.catholicnewsagency.com/news/22949/emeritierter-papst-benedikt-xvi-warnte-kardinal-marx-vor-synodalem-weg-bericht ; abgerufen am 29. April 2026.
[4] Papst Benedikt XVI., Nachsynodales, Apostolisches Schreiben Sacramentum caritatis, 29.
[5] Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, 337.
[6] Ebd., 338.
[7] Katharina von Siena, Dialog III, 124, in: Gespräch von Gottes Vorsehung, Einsiedeln 1993 (4. Auflage), S. 163.
