
Der Gedanke an die Ewigkeit ist aus dem Horizont vieler Menschen geschwunden. Man ist dermaßen vom Irdischen geblendet, dass man die Unendlichkeit aus dem Blick verloren hat. Die unsterbliche Seele ist weitestgehend vergessen. Dies ist auch das Resultat einer oftmals verfehlten Verkündigung, die kaum noch von den sogenannten Letzten Dingen spricht, nämlich Gericht, Himmel, Hölle und Fegefeuer. So sagte Papst Johannes Paul II. einmal: „Der Mensch hat sich in gewissem Maße verirrt; die Prediger, die Katecheten, die Erzieher haben sich verirrt und auch den Mut verloren, ‚mit der Hölle zu drohen‘. Und vielleicht haben selbst die, die ihnen zuhören, keine Angst mehr davor.“[1]
Dabei ist das Zeugnis der Heiligen Schrift eindeutig. Christus, unser Erlöser, hat mit großem Nachdruck zur Umkehr aufgerufen und vor den unheilvollen Folgen der Sünde gewarnt: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn“ (Mt 7,13–14). Daher ist es notwendig und klug, immer an das Ende zu denken, weil „es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt“ (Hebr 9,27). Die Seele erkennt die ganze Wahrheit über sich und erfährt die Konsequenzen, die sich aus dem irdischen Leben ergeben. Der Herr wird jedem „vergelten, wie es seine Taten verdienen“ (Offb 2,23).
Auch die Schriftstelle vom Allgemeinen Gericht (Mt 25,31–46) am Ende der Welt lässt keinen Zweifel daran, dass der Mensch einmal zeitlos ernten wird, was er auf Erden gesät hat. Während die Gerechten die Freuden des Paradieses erhalten, erfahren die Bösen die Leiden für ihre Sünden. Diese hören vom König der Herrlichkeit das finale Urteil: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ Die Entscheidung bleibt für immer, denn diese „werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben“.
Gott hat die Hölle nicht geschaffen. Schon gar nicht will er, dass seine geliebten Geschöpfe dorthin gelangen. Deswegen hat Christus die blutige Passion durchlitten und sich am Kreuz für unsere Rettung geopfert. Der Mensch bereitet sich das Verderben selbst, wenn er die ihm gegebene Freiheit für das Böse missbraucht. Er nimmt das Geschenk der Erlösung nicht an, sondern bleibt im Tod der Sünde. Ihre unheilvollen Folgen erfährt er, wenn er bis zum Schluss an ihr festhält und sich nicht bekehrt. Damit stürzt er in die äußerste Finsternis, weil die Entscheidung dann endlos fortdauert. So lehrt der Katechismus der Katholischen Kirche: „In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man ‚Hölle‘.“[2]
Vor diesem Hintergrund ist es ein schwerwiegendes Versäumnis, den Menschen zu verschweigen, dass es das ewige Verderben wirklich gibt. Diese verhängnisvolle Unterlassung hat den moralischen Permissivismus gefördert, dessen immense Erschütterungen wir derzeit erleben. Dem Gewissen vieler Menschen fehlt völlig der maßgebliche Kompass. Das beständige Lehramt der Kirche bekräftigt hingegen, „dass es eine Hölle gibt und dass sie ewig dauert. Die Seelen derer, die im Stand der Todsünde sterben, kommen sogleich nach dem Tod in die Unterwelt, wo sie die Qualen der Hölle erleiden, ‚das ewige Feuer‘. Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann, für die er erschaffen worden ist und nach denen er sich sehnt.“[3]
Der heilige Kirchenvater Augustinus mahnt uns daher zur Wachsamkeit und warnt vor jeder Verharmlosung, weil die menschliche Schwachheit im Umgang mit dem Wort Gottes häufig zum Selbstbetrug neigt: „Niemand denke in seinem Herzen: Wahr ist, was er verspricht, falsch, was er droht. So wahr es ist, wenn er etwas verspricht, so wahr ist es auch, wenn er droht. So sicher darfst du sein wegen der Ruhe, des Glücks, der Ewigkeit, der Unsterblichkeit, wenn du seine Gebote hältst, wie du des Untergangs versichert sein kannst, der Glut des ewigen Feuers, der Verdammnis beim Teufel, wenn du die Gebote missachtest.“[4]
Die heilige Kirchenlehrerin Theresia von Ávila hat in ihrer erschütternden Höllenvision geschaut, dass viele Seelen auf ewig verlorengehen. Sie hat die unvorstellbaren Leiden der Verdammnis an Leib und Seele erfahren: „Ich weiß nicht, wie ich dieses innerliche Feuer, diese Verzweiflung bei so ungeheuren Qualen und Schmerzen beschreiben soll. […] Da ist kein Licht, sondern alles ist tiefste Finsternis […] Später aber hatte ich ein anderes Gesicht von entsetzlichen Dingen, nämlich von den Strafen und Peinen für gewisse Laster.“[5] Und sie hob hervor: „So weiß ich nicht, wie wir ruhig zusehen können, dass der böse Feind täglich so viele Seelen an sich zieht. […] O könnte ich doch diese Wahrheit denen begreiflich machen, die sich mit den unzüchtigsten, abscheulichsten Sünden besudeln, damit sie sich erinnerten, dass sie nicht im Verborgenen geschehen; ja könnte ich ihnen begreiflich machen, welch gerechten Abscheu Gott vor solchen Sünden hat, da sie in so unmittelbarer Gegenwart Seiner Majestät begangen werden und wir uns so unehrerbietig vor ihm betragen! Ich sah, wie billig die Hölle durch eine einzige Todsünde verdient wird“.[6]
Auch den Hirtenkindern von Fatima wurde die Hölle gezeigt. Sie betrifft das Erste Geheimnis. Schwester Lucia bekannte dazu: „Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlischen Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen (in der ersten Erscheinung). Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzen gestorben. Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte und Traurigkeit sprach: Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein.“[7]
Das heilige Hirtenmädchen Jacinta gab zu verstehen, dass die Sünden, welche die meisten Seelen in das ewige Verderben bringen, jene des Fleisches sind.[8] Äußerst vielsagend ist die zugehörige Bemerkung des Kindes: „Wie würden doch die Menschen alles tun, um ein anderes Leben zu beginnen, wenn sie wüssten, was die Ewigkeit ist!“[9]
Selbst die heilige Schwester Faustyna hat die Dimension des ewigen Verderbens geschaut. Ihre einschneidende Erfahrung ist im berühmten Tagebuch dokumentiert: „Heute wurde ich durch einen Engel in die Abgründe der Hölle geführt. Das ist ein Ort großer Qual; seine Fläche ist fürchterlich groß. Die Arten der Qual, die ich sah, sind folgende: die erste Qual, die die Hölle ausmacht, ist der Verlust Gottes; die zweite – der unablässige Gewissensvorwurf; die dritte – dass sich dieses Los niemals mehr verändert; die vierte Qual – das Feuer, das die Seele durchdringen wird, ohne sie zu zerstören; das ist eine schreckliche Qual; es ist ein rein geistiges Feuer von Gottes Zorn entzündet; die fünfte Qual – ständiges Dunkel und ein furchtbar stickiger Geruch; obgleich es dunkel ist, sehen sich die Teufel und die verdammten Seelen gegenseitig; sie sehen alles Böse anderer und auch ihr eigenes; die sechste Qual – ist die unablässige Gesellschaft des Satans; die siebte Qual ist die furchtbare Verzweiflung, der Hass gegen Gott, Lästerungen, Verfluchungen, Schmähungen. Das sind Qualen, die alle Verdammten gemeinsam leiden, doch das ist noch nicht das Ende. Es gibt noch besondere Qualen für die Seelen, nämlich Qualen der Sinne. Womit die einzelne Seele gesündigt hat, damit wird sie auf furchtbare, nicht zu beschreibende Weise gepeinigt. Es gibt fürchterliche Höhlen und Abgründe der Peinigung, wo sich eine Qual von der anderen unterscheidet. Angesichts dieser schrecklichen Pein wäre ich gestorben, hätte mich nicht die Allmacht Gottes erhalten. Der Sünder soll wissen, dass er mit dem Sinnesorgan die ganze Ewigkeit lang gepeinigt werden wird, mit dem er sündigt.“[10]
Die Dienerin der Göttlichen Barmherzigkeit hat ihr Zeugnis auf besondere Weise manifestiert, indem sie auf den ausdrücklichen Auftrag des Herrn verwies: „Ich schreibe darüber auf Gottes Befehl, damit keine Seele sich ausreden kann, dass es die Hölle nicht gibt, oder auch, dass dort niemand war und nicht weiß, wie es dort ist.
Ich, Schwester Faustyna, war auf Gottes Geheiß in den Abgründen der Hölle, um den Seelen zu berichten und zu bezeugen, dass die Hölle existiert. Jetzt kann ich darüber nicht reden, denn ich habe Gottes Befehl, das schriftlich zu hinterlassen. Die Teufel hatten auf mich großen Hass, aber auf Gottes Befehl mussten sie mir gehorchen. Was ich niedergeschrieben habe, ist ein karger Schatten der Dinge, die ich sah. Eines konnte ich bemerken, dort sind meistens Seelen, die nicht an die Hölle geglaubt hatten.“[11]
Nach der Betrachtung dieser erschütternden Erfahrungen versteht man den hingebungsvollen Dienst des Patrons der Priester noch besser. Der heilige Pfarrer von Ars hat unzählige Stunden im Beichtstuhl verbracht, um die Menschen an die Quelle der Göttlichen Barmherzigkeit zu führen:
„Meine Kinder, man kann die Güte nicht begreifen, die Gott uns erwiesen hat, als er dieses große Sakrament der Buße einsetzte. Wenn man zu den armen Verdammten […] sagen würde: ‚Wir werden am Eingang der Hölle einen Priester stellen. Jeder, der beichten will, braucht nur hinauszugehen.‘ […] Oh wie schnell würde die Hölle sich leeren und der Himmel sich bevölkern. Wir jedoch haben die Zeit und die Möglichkeiten, die diese armen Verdammten nicht haben“.[12]
Karfreitag 2026
Pastor Frank Unterhalt
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[1] Papst Johannes Paul II., Die Schwelle der Hoffnung überschreiten, hrsg. von Vittorio Messori, Hamburg 1994, S. 209.
[2] Katechismus der Katholischen Kirche, 1033.
[3] Ebd., 1035.
[4] Augustinus, Enarrationes in Psalmos 95(94), 15: PL 37, 1226.
[5] Theresia von Ávila, Leben, 32,2, in: Aloysius Alkofer, Das Leben der heiligen Theresia von Jesu, 1. Band, München und Kempten 1973 (4. Auflage), S. 311–312.
[6] Theresia von Ávila, 32,5 und 40,10, in: Aloysius Alkofer, S. 313, 416.
[7] Schwester Lucia spricht über Fatima, Fatima 2007 (9. Auflage), S. 131–132.
[8] Vgl. Prof. Dr. L. Gonzaga da Fonseca, Maria spricht zur Welt, Freiburg/Schweiz 1973 (16. Auflage), S. 177.
[9] Ebd.
[10] Tagebuch der Schwester Maria Faustyna Kowalska, Hauteville/Schweiz 1991 (2. Auflage), Nr. 741.
[11] Ebd.
[12] Janine Frossard, Ausgewählte Gedanken des heiligen Pfarrers von Ars, Leutesdorf 1999 (11. Auflage), S. 52.
