Pseudo-Pastoral im freien Fall

Bild: Openverse, Cornelia Kopp, „free fall“ (Lizenz: CC BY 2.0)

Trotz der weltweiten Empörung über die Schändung des Paderborner Domes ereignete sich jüngst schon wieder ein Missbrauch eines Gotteshauses im Erzbistum.

In der katholischen Herz-Jesu-Pfarrei zu Herne inszenierte man eine ökumenische Harry-Potter-Liturgie. Die Organisatoren ließen im Vorfeld wissen, der Kirchenraum solle „sich dabei in eine magische Kulisse verwandeln“, nach einem „offenen Ankommen“ und dem Angebot von „Essen und Trinken“. Als Ziel wurde formuliert, den Ort „ähnlich aussehen zu lassen wie in den Schloss-Szenen in den Filmen“, angebrachte Deko und „schwebende Kerzen“ inklusive. Hinzu kamen umgestellte Kirchenbänke und hereingebrachte Tische: „Wir sitzen dann in Gruppen zusammen, wie es die vier verschiedenen Häuser in Hogwarts gibt.“ Das in Aussicht gestellte Panorama reichte von „besonderer Musik“ mit Harry-Potter-Melodien bei „zur Szenerie passendem Licht“ bis hin zu „Special Effects“ und „Walking Acts“.[1] Das waren die angekündigten Rahmenbedingungen für den sogenannten „ökumenischen Gottesdienst“ nach Snacks und Getränken. Eine Schauspielerin war dabei für das Vorlesen aus dem dritten Band der Romanreihe zuständig.[2]

Zur vollen Einordnung dieses zeitgeistigen Theaters eignet sich besonders das Buch der renommierten katholischen Publizistin Gabriele Kuby, die sich intensiv mit der Thematik rund um Harry Potter befasst hatte und zu einer eindeutigen Analyse gekommen war.
Sie konstatierte darin: „Hogwarts, die Schule für Zauberei und Hexerei, ist eine geschlossene Welt der Gewalt und des Grauens, der Verfluchung und der Verhexung, der Rassenideologie und des Blutopfers, des Ekels und der Besessenheit. Es herrscht eine Atmosphäre ständiger Bedrohung, die sich auf den (jungen) Leser überträgt.“ Unmissverständlich zog Gabriele Kuby dem okkulten Treiben die Maske vom Gesicht: „Die Menschenwelt wird erniedrigt, die Welt der Hexen und Zauberer glorifiziert. Es gibt keine positive transzendente Dimension. Das Übernatürliche ist ausschließlich dämonisch. Göttliche Symbole werden pervertiert.“[3]

Joseph Kardinal Ratzinger, der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, schrieb dazu Gabriele Kuby am 7. März 2003 in einem persönlichen Brief: „Es ist gut, dass Sie in Sachen Harry Potter aufklären, denn dies sind subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen, ehe es überhaupt recht wachsen konnte.“ Noch im selben Jahr bekräftigte der spätere deutsche Papst: „Herzlichen Dank für Ihren mutigen Einsatz gegen Okkultismus und Magie!“[4]

Vor diesem Hintergrund kommt die Stellungnahme[5] der erzbischöflichen Behörde, welche die Harry-Potter-Liturgie im Vorhinein verteidigte, einem Offenbarungseid gleich: „Maßstab, Mitte und Ziel des geplanten Wortgottesdienstes“ seien und blieben – laut Narrativ des Bistums – „das Wort Gottes und die christliche Botschaft“. Die literarischen Bezüge dienten angeblich „ausschließlich als didaktische Anknüpfungspunkte, um biblische Inhalte zu erschließen und verständlich zu machen“. Die Heuchelei ging noch weiter: Sie „relativieren oder verwässern die Auslegung des Evangeliums nicht“, sondern unterstützten „eine verantwortungsvolle, zeitgemäße und zugleich theologisch fundierte Verkündigung“. Der sakrale Charakter des Gottesdienstes sowie „die Würde des Kirchenraumes“ blieben dabei „uneingeschränkt gewahrt“, so die Realsatire vom Domplatz.

Diese desolate verbale Nebelkerze, die eine Beleidigung für die menschliche Vernunft ist, weisen wir entschieden zurück!
Wir protestieren vehement gegen den Missbrauch des Gotteshauses und die dekadente Pseudo-Liturgie!
Alle Verantwortlichen des ehrfurchtslosen Spektakels rufen wir dringend zu Umkehr und Buße auf!
Der Herr Seiner Kirche hält die Vergeltung bereit, wie die Heilige Schrift mit der Tempelreinigung dokumentiert (vgl. Joh 2,13–17).

10. März 2026

Priesterkreis Communio veritatis

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[1] Marcel Gruteser und Julia Blesgen, „Zauberhafter Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche“, 21. Februar 2026, in: halloherne.de/artikel/zauberhafter-gottesdienst-in-der-herz-jesu-kirche-78175, abgerufen am 9. März 2026.
Vgl. auch: Kath. Pfarrei St. Dionysius Herne, „Großer Andrang beim ökumenischen Gottesdienst ‚Harry Potter‘“, 2. März 2026, in: st-dionysius-herne.de/b/grosser-andrang-beim-ok-gottesdienst-harry-potter-214803, abgerufen am 9. März 2026.
[2] Vgl. Kath. Pfarrei St. Dionysius Herne, a.a.O.
[3] Gabriele Kuby, Harry Potter – gut oder böse?, Kisslegg 2003, S. 156 (Anhang).
[4] Kath.net, „Harry Potter: Papst Benedikt, Gabriele Kuby und Peter Fleetwood“, 22. Juli 2005, in: kath.net/news/11066, abgerufen am 9. März 2026.
[5] Alexander Folz, „‚Didaktische Anknüpfungspunkte‘: Erzbistum Paderborn verteidigt ‚Harry-Potter-Gottesdienst‘“, 6. Februar 2026, in: de.catholicnewsagency.com/news/23185/didaktische-anknupfungspunkte-erzbistum-paderborn-verteidigt-harry-potter-gottesdienst, abgerufen am 9. März 2026.