Eine apokalyptische Botschaft

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„Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“ (Offb 12,1).
Wir schauen die Schönheit der Jungfrau von Fatima, der Mutter der Barmherzigkeit, der Königin des Himmels und der Erde. Das große Sonnenwunder am 13. Oktober 1917 in der Cova da Iria hat die Echtheit und historische Dimension der Botschaft hervorgehoben, die von dort an die Kirche und die ganze Menschheit ergangen ist. Nach dem Willen Gottes ist die himmlische Mutter Maria am Horizont unserer Zeit als Zeichen des Heils erschienen, um ihr Unbeflecktes Herz als sicheren Zufluchtsort anzubieten und für die gelebte Weihe die ewige Rettung zu versprechen. Sie ist die bereits im Protoevangelium aufleuchtende auserwählte Frau, die der höllischen Schlange den Kopf zertritt (vgl. Gen 3,15). Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter erscheint in Fatima als Ankündigung des sicheren Sieges und sagt den großen Triumph ihres Unbefleckten Herzens an im apokalyptischen Entscheidungskampf gegen den Satan.

Denn „ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen“ (Offb 12,3).
Auch der Widersacher agiert im selben Jahr 1917 auf der Bühne der Weltgeschichte mit der Oktoberrevolution in Russland. Der feuerrote Drache stellt den atheistischen Kommunismus dar, der den Glauben an Gott zu vernichten sucht. In dieser Schlacht kommen zwei Tiere dem Drachen zu Hilfe.

„Und ich sah: Ein Tier stieg aus dem Meer, mit zehn Hörnern und sieben Köpfen. Auf seinen Hörnern trug es zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen, die eine Gotteslästerung waren. Das Tier, das ich sah, glich einem Panther; seine Füße waren wie die Tatzen eines Bären und sein Maul wie das Maul eines Löwen. Und der Drache hatte ihm seine Gewalt übergeben, seinen Thron und seine große Macht“ (Offb 13,1–2).
Dieses schwarze Tier ist die Freimaurerei. Es verbirgt sich schattenhaft, um überall unerkannt eindringen zu können. Ziel des schwarzen Tieres ist es, dass die Menschen den von Gott gewiesenen Weg der Gnade und der Rettung nicht gehen. Die Freimaurerei trachtet nach der Lästerung Gottes und stellt im Kampf gegen den Dekalog jedem Gebot ein Anti-Gesetz gegenüber, um die Menschen durch die Laster zur Anbetung der Götzen zu bringen.

„Und ich sah: Ein anderes Tier stieg aus der Erde herauf. Es hatte zwei Hörner wie ein Lamm, aber es redete wie ein Drache. Die ganze Macht des ersten Tieres übte es vor dessen Augen aus. Es brachte die Erde und ihre Bewohner dazu, das erste Tier anzubeten“ (Offb 13,11–12).
Das Tier, das einem Lamm gleicht, ist die kirchliche Freimaurerei, die in das Innere der Kirche eingedrungen ist – vor allem in deren Hierarchie. Ihr Ziel ist die Überwindung der Katholischen Kirche von innen heraus. Sie will und erreicht für kurze Zeit die Schaffung eines Idols – einen falschen Christus und eine falsche Kirche.

Im Jahr 1917 erlebte der hl. Maximilian Maria Kolbe den Aufmarsch der Freimaurer auf dem Petersplatz in Rom – anlässlich des 200. Jahrestages der Gründung. Ihren erklärten Plan las der Apostel der Immaculata auf der entsprechenden Fahne: „Satan muss im Vatikan regieren, der Papst wird sein Sklave sein!“
Dieses Ziel wurde auch zwanzig Jahre vorher beim Kongress der Freimaurer in Basel von der Großloge Grand Orient aus Paris beschlossen: „Wir werden bis ins Herz des päpstlichen Hofes eindringen, aus dem uns niemand mehr vertreiben kann, bis wir die Herrschaft des Papstes gebrochen haben“.

Mit dieser feindlichen Strategie hat sich Bischof Dr. Rudolf Graber in seinem Buch „Athanasius und die Kirche unserer Zeit“ beschäftigt. Er zitiert auf Seite 85 seines Werkes die sogenannte „Alta Vendita“ – den freimaurerischen Plan für den Umsturz in der Katholischen Kirche. Darin heißt es: „Was wir verlangen, was wir suchen und erwarten müssen, wie die Juden den Messias erwarten, ist ein Papst nach unseren Bedürfnissen […] Wir zweifeln nicht daran, dieses höchste Ziel unserer Anstrengungen zu erreichen.“
Des Weiteren verweist Bischof Dr. Graber (S. 38) auf das Buch „L’ėvangile de l’Esprit-Saint, Jean traduit et commenté“ von Abbé Melinge, in dem das gegnerische Programm zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter anderem folgendermaßen beschrieben wird: „Die Ersetzung (Substitution) des römischen Papsttums durch ein ,pluri-konfessionelles‘ Pontifikat, das fähig ist, sich einem allseitigen (polyvalent) Ökumenismus anzugleichen.“

Das wollte der Feind erreichen durch einen infiltrierten Marsch durch die Hierarchie, wie Manfred Adler in seinem Buch „Die antichristliche Revolution der Freimaurerei“ offenlegt: „Dabei ist jedoch zu beachten, dass alle diese destruktiven Gedanken insgeheim auf ein einheitliches Ziel ausgerichtet sind, nämlich die Gegenkirche oder die ,neue‘ Kirche zu schaffen“ (S. 71).

Aus Anlass des 60. Jahrestages der Erscheinungen in Fatima hat sich der hl. Papst Paul VI. in einer Ansprache am 13. Oktober 1977 offensichtlich auf das ihm bekannte dritte Geheimnis bezogen: „Der Schwanz des Teufels arbeitet am Zerfall der katholischen Welt. Die Dunkelheit Satans ist eingetreten und verbreitet sich in der ganzen Katholischen Kirche, sogar bis zur Gipfelspitze. Der Glaubensabfall, der Verlust des Glaubens, breitet sich in der ganzen Welt aus und bis in die höchsten Ebenen der Kirche.“
Auch Kardinal Ciappi, Theologe des päpstlichen Hauses von 1955–1989, bestätigte in einem Brief an Prof. Baumgartner: „Aus dem dritten Geheimnis geht hervor, dass unter anderem der große Abfall vom Glauben in der Kirche von der Spitze beginnen wird.“

Papst Johannes Paul I. bekam dann eine Liste mit den Namen der Freimaurer im Vatikan, die herausgegeben wurde vom Journalisten Mino Pecorelli, einem ehemaligen Mitglied der Geheimloge „Propaganda Due“ (P2). Der Pontifex war kurz vor seinem völlig unerwarteten Tod fest entschlossen, gegen die Unterwanderung vorzugehen (vgl. Manfred Adler, Die Freimaurer und der Vatikan, S. 16ff.).

Besonders deutlich tritt diese Dimension des Kampfes hervor in einer Ansprache des hl. Papst Johannes Paul II. am 2. November 1980: „Wir leben in einer Zeit, in der man eine radikale Konfrontation spürt und erfährt, die sich überall durchsetzt […] Glaube und Unglaube; Evangelium und Anti-Evangelium; Kirche und Anti-Kirche; Gott und Anti-Gott, wenn wir dies so sagen können.“
Wie prophetisch klingen diese Worte angesichts des Attentats auf ihn am 13. Mai 1981, dem Jahrestag der ersten Erscheinung in Fatima. Die Uhrzeit des Anschlags um 17:17 Uhr ist ein eindeutiger Fingerzeig auf das Gründungsjahr der Freimaurerei. Das Attentat in Rom hat offenkundig ihr bekanntes Ziel verfolgt, das von Gott bestimmte Fundament der Kirche zu entfernen, um es durch eine andere, nämlich eigene „Leitung“ zu ersetzen.

In unseren Tagen wurde man aufmerksam auf die St.-Gallen-Mafia, die Kardinal Danneels als Mitglied bei der Präsentation seiner Biographie selbst öffentlich machte. Dabei wurden das Ziel und die Agitationen der Verschwörer eindeutig publiziert, welche dann schließlich in den 13. März 2013 mündeten. Ihre Agenda bezog sich erklärtermaßen auf die massive Opposition gegen Papst Benedikt XVI. und die per Netzwerk organisierte Durchsetzung ihres favorisierten Kandidaten.
Am 11. Mai 2010 erklärte der Pontifex prophetisch auf seiner Pilgerreise nach Fatima, gleichsam im Hinblick auf das dritte Geheimnis seine Leiden und die des ganzen Mystischen Leibes Christi ins Wort bringend: „So würde ich sagen, werden auch hier über die große Vision des Leidens des Papstes hinaus […] Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt, die sich nach und nach entfalten und zeigen.“

Vor dem Hintergrund dieser Darlegungen schauen wir mit dem größten Vertrauen auf zu unserer geliebten Mutter Maria, der Jungfrau von Fatima und Mittlerin aller Gnaden. Sie ist die Siegerin in allen Schlachten Gottes, die Königin der himmlischen Heerscharen und die „fürbittende Allmacht“ am Thron des Höchsten. Zur festgesetzten Zeit wird sie nach diesem apokalyptischen Entscheidungskampf den epochalen Triumph ihres Unbefleckten Herzens herbeiführen. Immer werden wir in uns das Wort der Königin des heiligen Rosenkranzes bewahren: „Mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird!“

Paderborn, am 13. Oktober 2019

Priesterkreis Communio veritatis